Kontakt

Suchthilfezentrum Schleswig

Suadicanistr. 45

24837 Schleswig

Tel.: 0 46 21 – 48 61 0

Projektleitung

Hans- Wilhelm  Nielsen

E-Mail: nielsen(AT) suchthilfezentrum-sl.de

 

Silke Willer

E-Mail: willer(AT) suchthilfezentrum-sl.de

 

 

Psychosoziales Netzwerk Sucht im Alter

Aufgrund der demographischen Entwicklung wird die Zahl älterer Menschen, die von Substanzmissbrauch und -abhängigkeit betroffen sind, in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter zunehmen. Sowohl für die Suchthilfe als auch für die Altenhilfe ist das Thema „Sucht im Alter“ bisher randständig geblieben. Gegenstand des Modellprojektes ist der Aufbau eines Netzwerkes zwischen Altenhilfe (offene, ambulante und stationäre) und Suchthilfe in Schleswig. Ziel des Modellprojektes ist, über eine Sensibilisierung der Fachkräfte in den Hilfesystemen die Wahrnehmung von suchtauffälligen älteren Menschen zu verbessern, die Motivation älterer Menschen zur Veränderung des Substanzkonsums zu fördern und entsprechende Hilfsangebote zu vermitteln. Angebote der Prävention, der Beratung und Therapie sollen den spezifischen Lebenswelten älterer Mensch angepasst werden. Wesentliches Element des Netzwerkes ist die Schulung der Mitarbeitenden in der Suchthilfe (Prozess des Älterwerdens) und der Altenhilfe (Suchtverlauf, Co-Abhängigkeit, Wahrnehmung von Suchtauffälligkeiten, Gesprächsführung). Um die erreichten Kompetenzen zu sichern, wird eine nachhaltige regelmäßige Supervision durchgeführt.

Den beteiligten Einrichtungen im Verbund der Diakonie bietet das Modellprojekt Chancen im Hinblick auf Verbesserung der Qualität und des Risikomanagements im Umgang mit suchtauffälligen älteren Menschen.

Erfahrungen und Ergebnisse des Modellprojekts

Im Projekt wurden im Bereich der Suchthilfe drei Schulungen für Mitarbeiter der Suchthilfe mit insgesamt 80 (34/31/15) Teilnehmern durchgeführt. Schwerpunkt der Seminare war die Vermittlung von Kenntnissen und Kompetenzen im Bereich Alterungsprozesse und damit zusammenhängende zunehmende Komorbidität und Einnahme von Psychopharmaka im Alter. Auffällig war dabei der geringe Kontakt der Mitarbeiter der Suchthilfe mit Ärzten und Mitarbeitern der Altenpflegeeinrichtungen und geringe Kenntnisse zu Psychopharmaka und Polypharmazie.

Insgesamt 36 Führungskräfte der Kooperationspartner wurden geschult mit dem Ziel, suchtauffällige Mitarbeiter/Innen besser wahrzunehmen, anzusprechen und entsprechend den beschriebenen Schritten der bestehenden Dienstvereinbarung die dienstrechtlichen Konsequenzen umzusetzen. Durch entsprechende Rollenspiele zur Gesprächsführung konnte die Sicherheit im Umgang mit suchtauffälligen Mitarbeitern verbessert werden. Weiterhin wurden die Führungskräfte über den Stand der Umsetzung des Bundesmodellprojektes „Sucht im Alter“ informiert und in dieser Hinsicht strategisch wichtige Entscheidungen besprochen (z. B. Erstellung einer Verfahrensanweisung im QM, Art und Umfang der Supervision).

Innerhalb einer Fortbildungsmaßnahme für Ärzte unseres Krankenhauses - der DIAKO in Flensburg – nahmen 29 Ärzte zum Thema: „Psychopharmaka im Alter unter besonderer Berücksichtigung von Demenzerkrankungen“ teil. Ein wesentlicher Schwerpunkt der Vorträge und Diskussionen war die Problematik der Polypharmazie im Alter. Sehr positive Rückmeldungen der Teilnehmer ermutigen – trotz des hohen Aufwandes der Tagung – zur Fortsetzung.

Weiterhin wurde im Rahmen des Bundesmodellprojektes zwei landesweite Tagungen mit ca. 120 Teilnehmern durchgeführt.

242 Mitarbeiter der Altenhilfe wurden geschult. Die Schulungen werden als Tagesveranstaltungen über einen Zeitraum von sechs Stunden durchgeführt. Die Schulungen wurden durchgeführt von jeweils einem Mitarbeiter der Suchthilfe, einem Mitarbeiter der Altenhilfe und  einem Vertreter der Seniorengruppe der Selbsthilfegruppe des Blauen Kreuzes.  Die Inhalte waren: Suchtverlauf unter besonderer Berücksichtigung des Verlaufs bei älteren Menschen, Co-Abhängigkeit, Konstruktiver Umgang mit suchtauffälligen Kunden, dem sozialen Umfeld und Ärzten, Gesprächsführung.  Ein Verfahrensablauf beim Aufnahmemanagement der stationären Altenhilfe wurde entwickelt, entsprechend der Studie „Psychopharmaka in  Altenheimen“.

Das Behandlungsangebot für ältere Menschen des Suchthilfezentrums wird weiterhin gut angenommen. Eine Gruppe für Senioren am späten Vormittag mit alterspezifischen Themen und einem altersspezifischen Setting findet neben einzeltherapeutischen Sitzungen im Rahmen der ambulanten Rehabilitation einmal wöchentlich statt. 

Im Verlauf des Modellprojektes wurde das Projekt im Rahmen des Qualitätsmanagement der Altenhilfeeinrichtungen verortet und von den QM-Beauftragten organisiert. Im Rahmen des Qualitätsmanagements ist eine Verfahrensanweisung auf Grundlage eines Risikomanagements zur Einschätzung der Risiken mit Hilfe eines Fragebogens entwickelt worden. Dadurch gelang es Widerstände um das Projekt zu überwinden und ihre Akzeptanz zu erhöhen.

Ab Frühjahr 2012 hat eine Kooperation mit der Krankenpflegeschule Öbiz der Diako und des Franziskus Krankenhauses in Flensburg begonnen.

Mitarbeiter des Projektes wurden mehrmals angefragt, überregional auf Tagungen zum Thema Sucht im Alter zu referieren (Münster, Halle, Neuwied). Der bisherige Gesamtkoordinator Herr Nielsen wird ab 2013 als Gastdozent an der Bundesakademie der Diakonie über „Sucht im Alter“ referieren.

Bisherige Ergebnisse der Nachbefragung

(6 Monate nach der Schulung Mitarbeiter Altenhilfe)

·         t0/t6: Die Selbsteinschätzung zum eigenen Fachwissen in Bezug auf suchtauffällige Senioren verbesserte sich von t0= 2,1 auf 3,3 (t6) (Mittelwert von "0= kein spezielles Fachwissen bis 5= sehr gutes Fachwissen)

·         t0/t6: Der Anteil der MA, die von einem standardisierten Vorgehen mit suchtauffälligen Senioren wussten, stieg von 22% (t0) auf 42% (t6).

·         t0/t6: Befragt hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades von Handlungen mit suchtauffälligen Senioren ergaben sich ebenfalls deutliche Verbesserungen (t0/t6). Die Verbesserungen waren am deutlichsten bei "ein konkretes Hilfsangebot machen" (42%), "Anteilnahme / Sorge ausdrücken" (38%) und "Gespräche mit den betroffenen Senioren" (32%).

Ausblick: Implementierungsphase sowie Verstetigung der Maßnahme über die Förderung durch das BMG hinaus

Strukturelle Vorraussetzungen

Vorraussetzungen für eine nachhaltige Implementierung der im Bundesmodellprojekt „Sucht im Alter“ verfolgten Ziele und Maßnahmen in die Altenhilfe und Suchthilfe sind:

-   Ausweitung des Projektes auf die Region Schleswig-Holstein

-   Implementierung  eines Risikomanagements zum Umgang mit suchtauffälligen Kunden/Patienten/Bewohnern in das Qualitätsmanagement der Altenhilfe.

-   Implementierung eines Aufnahmemanagements in das Qualitätsmanagements der stationären Altenhilfe

-   Implementierung eines Moduls (Sucht im Alter) in die Curricula der Altenpflegeschulen

-   Aufbau  eines Beratungs- und Behandlungssettings für ältere Menschen in der Suchthilfe.

-   Aufbau von Suchtselbsthilfegruppen  für Senioren

Maßnahmen

Durch Informationsveranstaltungen in Schleswig-Holstein soll das Risikomanagement im Umgang mit suchtauffälligen älteren Menschen und das beschriebene Aufnahmemanagement der professionellen Altenhilfe schmackhaft gemacht werden.

Hierbei geht es zu vermitteln, dass die beiden Maßnahmen Vorteile für die Altenhilfeeinrichtungen bringen:

- sie schaffen Sicherheit für die Mitarbeiter der Altenhilfe im Umgang mit suchtauffälligen Kunden und vermeiden mit Unsicherheiten verbundene Ängste und unnötige Zeitverschwendung

- sie vermeiden Suchtentwicklungen und damit verbundene  Schwierigkeiten im Bereich Gesundheit, Sozialverhalten

- sie reduzieren Risiken für die Kunden, für die Mitarbeiter und der Einrichtung. Mögliche Haftungsansprüche sind vermeidbar.

Für die Umsetzung der Informationsveranstaltungen sind folgende Kooperationspartner bisher vorhanden und interessiert:

- Das Diakonische Werk Schleswig-Holstein als Landesverband – Referat Altenhilfe -

- Forum Pflegegesellschaft  (Zusammenschluss aller Altenhilfeeinrichtung in Schleswig Holstein.)

- Das ÖBIZ (Krankenpflegeschule der DIAKO Flensburg und Franziskuskrankenhaus Flensburg)

- Das IBAF ( Größte Krankenpflegeschule in Schleswig-Holstein )

Zum Diakonischen Werk Schleswig-Holstein sind bereits erste Kontakte geknüpft. Sie sollen vertieft werden, indem auf den Veranstaltungen der Altenhilfe des Landesverbandes zu den beschriebenen Themen Risikomanagement/Aufnahmemanagement sowie damit zusammenhängende Ausbildungen und Schulungen für Mitarbeiter unter Mitwirkung von unseren Projektmitarbeiter behandelt werden.

Auf dem „Forum Pflegegesellschaft“  soll das hier beschriebene Projekt „Sucht im Alter“ zunächst vorgestellt und dann auf verschieden Veranstaltungen der einzelnen Mitglieder vertieft werden.

Weiterhin sollen die Pflegestützpunkte und die Pflegeberatung der gesetzlichen Krankenkassen  mit in das Projekt einbezogen werden, ebenfalls durch Informationsveranstaltungen oder sonstigen geeigneten Maßnahmen.

Auf Veranstaltungen des Landesseniorenbeirates soll für das Thema „Sucht im Alter“ sensibilisiert werden mit dem Ziel der Prävention aber auch der positiven Begleitung der Maßnahmen in der Altenhilfe.

Vorgesehen ist die gemeinsame  Entwicklung eines Flyers zum Expertenstandard „Sucht im Alter“. Analog zu anderen Problemfeldern bestehen bereits Expertenstandards (z.B. Dekubitus).

Die beschriebene Implementierung des Risikomanagements und Aufnahmemanagements erfordert neben einer Anpassung der Curricula der Kranken- oder Altenpflegeschulen auch Fortbildungsangebote für Mitarbeiter der Altenhilfe. Diese Fortbildungsangebote sind bereits im bisherigen Bundesmodellprojekt erarbeitet worden, haben sich bewährt und sollen in dieser Form fortgesetzt werden.

Zusammenfassung

Durch die Implementierung des Bundesmodellprojektes „Sucht im Alter“ in einem Qualitätsmanagement wird die Notwendigkeit der Umsetzung der Ziele und Maßnahmen aus dem Bundesmodellprojekt in die Altenhilfe festgelegt. Dadurch kommt es zu einer nachhaltigen Auseinandersetzung mit dem Thema „Sucht im Alter“, zu einem Schulungsbedarf für die Mitarbeiter und Führungskräfte der Altenhilfe und damit zu einem professionellen und kompetenten Umgang mit suchtauffälligen älteren Menschen.