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Fachklinik Fredeburg

Zu den drei Buchen 1

57392 Schmallenberg

Tel. 02974/72-3722

Projektleitung

Dr. Dieter Geyer

dieter.geyer(AT)fachklinik-fredeburg.de

HAMAB: Hilfe für ältere Frauen und Männer mit Alkohol und Medikamenten bezogenen Störungen in einer ländlichen Region – Altkreis Brilon

Das Projekt HAMAB stellt den Wissenstransfer der Suchtmedizin und Suchttherapie in die regionale ambulante und stationäre Altenhilfe und den Wissenstransfer der ambulanten und stationären Altenpflege und -betreuung in die regionale Suchthilfe sicher. Dabei werden die regional vorhandenen Kompetenzen genutzt. Vor allem aber wird eine standardisierte Vernetzung in die Regelversorgung übergeführt. Durch regelmäßige Fachkonferenzen ergibt sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der in den beteiligten Institutionen an verantwortlicher Stelle Arbeitenden. Dies ermöglicht die konkrete Bearbeitung einzelner Fälle durch die Mitarbeiter der vorhandenen, bislang aber nicht vernetzten Institutionen der Alten- und Suchthilfe. Die Sicherstellung von Mindestqualifikationen und die Einführung verbindlicher Kommunikations- und Handlungsstrukturen wird die Situation Älterer mit substanzbezogenen Störungen in den Institutionen der Altenhilfe kurz- bis mittelfristig, die der außerhalb von Institutionen lebenden Älteren mit substanzbezogenen Problemen mittel- bis langfristig verbessern.    

Die Modellregion und die Projektträger

Die Modellregion, der Altkreis Brilon, ein Teil des Hochsauerlandkreises in Nordrhein-Westfalen, umfasst eine Fläche von etwa 870 Quadratkilometern mit ca. 96.000 Einwohnern. Die ambulante Suchtkrankenversorgung (Prävention, Beratung, ca. 550 Personen jährlich, ambulante Rehabilitation, ca. 35 PatientInnen pro Jahr, ambulanter Teil der ambulant/stationären Kombinationsbehandlung, Nachsorge nach stationärer Rehabilitation) wird ganz überwiegend von der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle der Caritas Brilon geleistet, deren Hauptsitz in Brilon ist. Pro Jahr werden etwa 80 PatientInnen in stationäre Entgiftungsbehandlung vermittelt, 50 in stationäre medizinische Rehabilitation. Das Angebot des aufsuchenden betreuten Wohnens besteht ebenso wie eine in Trägerschaft der Caritas befindliche stationäre Einrichtung für betreutes Wohnen in Winterberg. Ältere Suchtkranke sind in der ambulanten Rehabilitation unterrepräsentiert. Auf ihre besonderen Bedarfe ausgerichtete Angebote gibt es noch nicht.

Die stationäre medizinische Suchtrehabilitation der Bewohner des Altkreises Brilon erfolgt überwiegend in einem Kooperationsverbund, dem neben der PSBB Brilon weitere ambulante und stationäre Leistungsanbieter und die Fachklinik Fredeburg (Schmallenberg) angehören. Ältere Suchtkranke werden in der Fachklinik Fredeburg rehabilitiert. Sie verfügt über 244 Behandlungsplätze, davon 48 für ältere suchtkranke Frauen und Männer. Sie  arbeitet auch überregional. Seit 1978 werden ältere Suchtkranke gemeinsam in sogenannten Seniorengruppen behandelt. Die spezialisierte Konzeption des Seniorenbereichs wird kontinuierlich weiterentwickelt.  

Die Caritas Brilon ist in der Region der größte Anbieter für Leistungen der Altenhilfe. Sie unterhält in den Städten Brilon (80 Plätze in vier Wohnbereichen) und Hallenberg (44 Plätze) Pflegeheime. Die Bewohner sind in unterschiedlichem Ausmaß pflegebedürftig. Dementielle Erkrankungen stehen wie in den meisten Pflegeheimen im Vordergrund. Bislang werden Suchterkrankungen nicht gesondert berücksichtigt.

Die ambulante aufsuchende Altenhilfe wird durch fünf Sozialstationen in den Städten Brilon, Olsberg, Medebach, Winterberg (mit Hallenberg) und Marsberg sichergestellt. In Kooperation mit der Diakonie erstreckt sich der Versorgungsauftrag auf den Hochsauerlandkreis Ost und die angrenzenden Gebiete des hessischen Waldecker Landes. Derzeit werden etwa 550 Patientinnen und Patienten sowie 150 Betreute versorgt. Die hauspflegerische Versorgung wird von Alltagsbegleiterinnen und -begleitern durchgeführt. Daneben werden Urlaubs- oder Verhinderungspflege, Beratungen, Schulungen und Kurse für pflegende Angehörige angeboten. Ebenso sind 24 Stunden Betreuungen und Nachtbetreuung möglich. Das Tagespflegehaus der Caritas in Brilon verfügt über 16 Plätze. In den Diensten der ambulanten, teilstationären und stationären Pflege der Caritas Brilon sind über 360 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Die größte Berufsgruppe ist die der Pflegefachkräfte. Daneben setzen sich die multiprofessionellen Teams aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hauswirtschaft, der Pflegehilfe, der Haustechnik und der Verwaltung zusammen. Begleitend versorgt der Caritasverband Brilon mit dem Dienst „Essen auf Rädern“ Tischgäste im Altkreis Brilon. 250 Bewohner der Region sind mit einem Hausruf versorgt. Die professionelle Altenhilfe kooperiert mit einer großen Anzahl ehrenamtlicher Helferinnen und Helfern, die z.B. Hausbesuche bei alten oder kranken Menschen machen, Seniorennachmittage gestalten und Treffen pflegender Angehöriger organisieren.

Das Projekt wird kontinuierlich evaluiert. Die externe Evaluation wird vom Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) an der Katholischen Hochschule NRW, Köln,  (Leiter: Prof. Dr. Michael Klein) durchgeführt. Das Institut verfügt über einschlägige Evaluations- und Projekterfahrungen, auch im Bereich „Sucht und Alter“. Die externe Evaluation ist als summative und formative Evaluation vorgesehen, die zum einen Projekt begleitend Fortschritte und Zwischenergebnisse („Meilensteine“) evaluiert und in den Projektverlauf rückkoppelt. Zum anderen wird zum Projektabschluss die Erreichung der vorab gesetzten Ziele überprüft. Im Einzelnen werden die Hauptbausteine des Projekts, die Schulung der Fachkräfte (N>300), die Netzwerkkonferenz (Fachkonferenz) und die geplante Wanderausstellung quantitativ und qualitativ evaluiert

Kooperation

Das Modellprojekt wurde vom Projektverantwortlichen und den Verantwortlichen für die Alten- und Suchthilfe gemeinsam entwickelt. Sie bilden den sog. Lenkungsausschuss. Dieser  tagt nach Bedarf, mindestens aber einmal pro Quartal. Er überwacht den Verlauf des Modellprojekts, organisiert die geplanten Qualifizierungsmaßnahmen und supervidiert die sog. Fachkonferenz. Diese setzt sich aus den Suchtbeauftragten der Institutionen der Altenhilfe und den Altersbeauftragten der Institutionen der Suchthilfe zusammen. 

Durch die regelmäßigen Fachkonferenzen soll sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der in den beteiligten Institutionen an verantwortlicher Stelle Arbeitenden ergeben. Dies ermöglicht die konkrete Bearbeitung einzelner Fälle durch die Mitarbeiter der vorhandenen, bislang aber nicht vernetzten Institutionen der Alten- und Suchthilfe. Die Sicherstellung von Mindestqualifikationen und die Einführung verbindlicher Kommunikations- und Handlungsstrukturen werden gewährleistet.

Grundlagen des Modellprojekts

Die wesentlichen Grundlagen des Modellprojekts sind in einer ersten Projektphase die Sensibilisierung und Qualifizierung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Institutionen der Altenhilfe (Pflegekräfte und Hauswirtschaftskräfte) für die Bedeutung und die praktischen Auswirkungen Substanz bezogener Störungen älterer Menschen und die Sensibilisierung und Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Suchthilfe für die spezifischen Bedarfe älterer Klientinnen und Klienten bzw. Patientinnen und Patienten. Während der ersten Projektphase sollen alle aktuellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter inklusive der Auszubildenden geschult werden. Die Schulungen werden in den jeweiligen Institutionen gemeinsam von den Verantwortlichen für die Altenhilfe und Suchthilfe bzw. dem Projektverantwortlichen nach einem gemeinsam erstellten Lehrplan durchgeführt. Die Sucht- und Altersbeauftragten  der beteiligten Institutionen werden dabei besonders intensiv qualifiziert und dadurch befähigt, die spezifischen Kompetenzen dauerhaft über die Modellphase hinaus in ihren Institutionen zu verankern und auch bei der Einarbeitung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu vermitteln. Nach der Phase der Schulung werden dauerhaft vernetzte Kommunikationsstrukturen implementiert. Diese werden zunächst vom Lenkungsausschuss supervidiert und damit ihre effiziente Arbeitsweise sichergestellt. Es wird erwartet, dass gegen Ende der Modellphase diese Strukturen in die Routineversorgung überführt wurden. Hierzu haben sich die Projektträger gegenseitig verpflichtet. Das Modellvorhaben ist dabei so angelegt, dass die zu implementierenden Strukturen und vernetzten Arbeitsweisen von den Beteiligten kontinuierlich überprüft und den Erfordernissen angepasst werden können. 

Die Sensibilisierung der Mitarbeiter, aber darüber hinaus auch der Bürger der Region für die bedeutsame Thematik des risikoarmen Konsums legaler Suchtmittel soll zusätzlich durch eine Wanderausstellung gefördert werden.

Schulungen

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Institutionen der Altenhilfe, die im Kontakt zu Bewohnern und zu Pflegenden stehen, werden zu Beginn des Projektes, nach einem halben und nach einem Jahr geschult, insgesamt umfassen die Schulungen sechs Zeitstunden (Basisschulungen).  Die Schulung zu drei Zeitpunkten soll den Schulungserfolg nachhaltig sicherstellen. Nachdem alle derzeitigen  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult wurden, erfolgt die Sensibilisierung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Suchtbeauftragte bzw. den Suchtbeauftragten der Institution. Dies ist dann fester Bestandteil des internen Qualitätsmanagement (Prozess Einarbeitung).

Zu „Suchtbeauftragten“ werden in der Regel Abteilungsleiterinnen oder Abteilungsleiter (z.B. PflegedienstleiterInnen, StationsleiterInnen, LeiterInnen einer Sozialstation, LeiterInnen des hauswirtschaftlichen Dienstes) geschult. Sie erhalten zu Projektbeginn eine sechsstündige Schulung (Beauftragtenschulung). Danach  hospitieren sie in einer spezialisierten Behandlungseinheit für ältere Suchtkranke. Nach ca. neun Monaten erfolgt die zweite Schulung mit einer Dauer von drei Stunden.

Parallel zu den MitarbeiterInnen der Altenhilfe werden die MitarbeiterInnen der Suchthilfe im gleichen Umfang in Altersfragen geschult (Basisschulung). Ebenso werden „Altersbeauftragte“ benannt und umfassend geschult (Beauftragtenschulung). Sie hospitieren in Institutionen der Altenpflege.

Stand des Projektes

Die ersten Basisschulungen wurden bereits durchgeführt und die Suchtbeauftragten der Institutionen der Altenhilfe sowie die Altersbeauftragten der Institutionen der Suchthilfe benannt und umfassend geschult (Beauftragtenschulung). Die Wanderausstellung wurde konzipiert und der Auftrag zur Fertigstellung erteilt. Sie wird voraussichtlich ab Juli 2011 genutzt werden können.

Ein erster Zwischenbericht des evaluierenden Instituts (Herr Prof. Dr. Michel Klein, Frau Dr. Ines Schaunig-Busch) liegt ebenfalls bereits vor. Er wurde Ende März den Projektleitern vor Ort vorgelegt und gemeinsam diskutiert. Im Rahmen der Befragung der Teilnehmenden vor Beginn der Schulung wurde deutlich, dass sich das Vorwissen der MitarbeiterInnen der Altenhilfe vor allem in den Bereichen Gesprächsführung mit älteren Suchtkranken, Interventionsmöglichkeiten und lokale Versorgungsstrukturen der Suchthilfe als gering erweist und hier der Bedarf an Weiterbildung in diesem Themenfeld sichtbar wird. Es zeigte sich im Zuge der Evaluation, dass sowohl die erste Veranstaltung im Rahmen der Schulung „Basisqualifikation“ als auch der Schulung zu „Sucht- und Altersbeauftragten“ von den Teilnehmenden überwiegend gut bis sehr gut bewertet wurde. Die Qualität der ReferentInnen, die Inhalte, das Klima und die Struktur der Fortbildung wurden sehr positiv beurteilt. Der bereits von einigen Teilnehmenden gelobte Praxisbezug (konkret Fallbeispiele aus der Praxis) wurde auch als Verbesserungsvorschlag für weitere Veranstaltungen benannt. 

Aktuell werden von der Projektleitung die Aufgaben der Beauftragten in schriftlicher Form ausgearbeitet und die nächsten Schulungen mit hohem Praxisbezug vorbereitet. Ebenso wird die Fachkonferenz, an der alle Beauftragten teilnehmen, vorbereitet.

Projektpartner

Koordinatorin Altenhilfe:

Caritas Alten- und Krankenhilfe
Karen Mendelin
Scharfenbergerstraße 19
59929 Brilon
Tel: 02961/971947
k.mendelin(AT)caritas-brilon.de

Koordinator Suchthilfe:

Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle der Caritas Brilon
Theo Köhler
Scharfenbergerstraße 19
59929 Brilon
Tel: 02961/3053
theo.koehler(AT)caritas-brilon.de

Evaluation:

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen /
Deutsches Institut für Sucht- und Präventionsforschung
Prof. Dr. Michael Klein
Wörthstraße 10
50668 Köln
Tel: 0221/7757-0
mikle@katho-nrw.de