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Medikamente

Bevölkerungsbezogene Daten

Prävalenz der Medikamentenabhängigkeit
  • Schätzungsweise 1,4 - 1,5 Millionen Menschen sind abhängig von Medikamenten mit Suchtpotenzial
  • Davon sind 1,1 - 1,2 Millionen Menschen abhängig von Benzodiazepinen
  • Weitere 300.000 - 400.000 Menschen sind abhängig von anderen Arzneimitteln
  • Andere Schätzungen rechnen mit 1,9 Millionen medikamentenabhängigen Menschen

Quelle: Soyka et al. 2005

 

Ergebnisse epidemiologischer Untersuchungen zur Verordnung und Einnahme von Benzodiazepinen
  • Exponentieller Anstieg mit zunehmendem Alter
  • Überdurchschnittlich hohe Raten bei Frauen
  • Berliner Alters-Studie (70-Jährige und Ältere): 24,6% nehmen Psychopharmaka, allein davon entfallen 13,2% auf Benzodiazepin-Anxiolytika
  • Bei etwa 90% der mit Benzodiazepinen Behandelten liegt eine Dauermedikation vor (länger als sechs Monate). Etwa die Hälfte davon nimmt täglich Benzodiazepine ein.¹
  • Besonders häufig sind Langzeitverordnungen bei älteren Menschen mit Schlafstörungen und bei älteren Menschen in Alten- und Pflegeheimen.¹

¹ Die längere Verordnung von Benzodiazepinen ist aufrgund des hohen Abhängigkeitspotenzials problematisch. Benzodiazepine sind arzneimittelrechtlich für eine Anwendungsdauer von in der Regel 4 bis 6 Wochen zugelassen. Nur in medizinisch begründeten Einzelfällen ist eine längere Verordnungsdauer möglich.

Quelle: Weyerer 2011

 

Prävalenz des Gebrauchs von Medikamenten
Altersgruppen
Gesamt40-4950-5960-64
Gebrauchsprävalenz
(in den letzten 12 Monaten)¹
Schmerzmittel59,4 %59,9 %55,4 %45,2 %
Schlafmittel & Beruhigungsmittel7,7 %8,2 %8,7 %8,8 %
Anregungsmittel0,9 %0,6 %0,6 %0,6 %
Appetitzügler0,4 %0,5 %0,2 %0,2 %
Tägliche Einnahme
(in den letztzen 30 Tagen)
¹
Schmerzmittel4,1 %3,2 %7,2 %5,5 %
Schlafmittel & Beruhigungsmittel1,4 %1,4 %2,1 %2,3 %
Anregungsmittel0,3 %0,3 %0,2 %0,0 %
Appetitzügler0,1 %0,0 %0,0 %0,0 %

¹ Ungewichtete Anzahl der Fälle bezogen auf den Anteil an der Gesamtstichprobe mit validen Angaben auf mindestens einer aufgeführten Substanzen.

Quelle: Epidemiologischer Suchtsurvey 2015 (Piontek et al. 2016)

Substanzbezogene Störungen nach DSM-IV
Altersgruppen
Gesamt40-4950-5960-64
Schmerzmittel
Missbrauch8,7 %9,1 %6,7 %5,2 %
Abhängigkeit3,4 %4,5 %4,0 %2,6 %
Schlafmittel
Missbrauch0,8 %0,8 %1,2 %0,5 %
Abhängigkeit0,8 %1,0 %0,9 %0,2 %
Beruhigungsmittel
Missbrauch0,8 %0,7 %0,9 % 0,6 %
Abhängigkeit1,4 %1,8 %2,0 %0,8 %

Quelle: Epidemiologischer Suchtsurvey 2012 (Pabst et al. 2013)

 

 

Daten aus Behandlungseinrichtungen

 

Über-40-jährige Klienten mit Hauptdiagnose Sedativa/Hypnotika 
in ambulanten Einrichtungen¹ 
Alter bei
Betreuungsbeginn
Mittelwert aller
Altersgruppen
Anteil Über-40-jährige an
allen Altersgruppen
40-4950-5960 +
200531,4 %21,4 %8,6 %43,062,4 %
200632,9 %17,7 %9,1 %42,359,8 %
200729,9 %20,8 %10,3 %43,060,9 %
200829,8 %22,0 %8,3 %42,860,0 %
200932,1 %23,0 %10,2 %43,965,2 %
201028,8 %23,2 %9,5 %43,161,5 %
201128,8 %25,4 %10,6 %44,164,8 %
201229,3 %25,3 %11,7 %44,866,4 %
201325,3 %25,9 %11,7 %44,262,9 %
201427,1 %24,8 %12,8 %44,764,7 %
201523,0 %23,3 %13,6 %44,259,9 %
2016
24,0 %26,0 %13,5 %45,163,5 %

¹ Beratungs- und/oder Behandlungsstellen, Fachambulanzen und Institutsambulanzen

Quelle: IFT 2006-2017

Über-40-jährige Klienten mit Hauptdiagnose Sedativa/Hypnotika
in stationären Einrichtungen ¹
Alter bei
Betreuungsbeginn
Mittelwert aller
Altersgruppen
Anteil Über-40-jährige an
allen Altersgruppen
40-4950-5960 +
200534,1 %27,2 %9,6 %45,670,9 %
200636,7%24,6 %11,1 %45,672,3 %
200731,4 %25,4 %11,4 %44,868,1 %
200829,2 %29,6 %7,4 %44,566,2 %
200938,3 %20,6 %9,6 %43,868,5 %
201031,4 %28,2 %8,2 %44,467,8 %
201129,9 %29,2 %9,7 %45,068,8 %
201229,3 %27,5 %10,4 %45,067,2 %
201329,1 %27,0%10,5 %44,666,5 %
201427,8 %25,7 %12,0 %45,365,5 %
201529,7 %26,3 %12,3 %46,068,3 %
201622,9 %24,0 %15,0 %45,161,9 %

¹ (Teil-)Stationäre Rehabilitationseinrichtungen und Adaptionseinrichtungen

Quelle: IFT 2006-2017

 

 

Literatur

IFT Institut für Therapieforschung (2005-2017): Deutsche Suchthilfestatistik. München

Pabst, Alexander (et al.) (2010): Substanzkonsum und substanzbezogene Störungen. Ergebnisse des Epidemiologischen Suchtsurveys 2009. In: Sucht, 56(5), 327-336

Pabst. Alexander (et al.) (2013): Substanzkonsum und substanzbezogene Störungen in Deutschland im Jahr 2012. In: Sucht, 59(6), 309-331

Piontek, Daniela (et al.) (2016): Kurzbericht Epidemiologischer Suchtsurvey 2015. Tabellenband: Medikamenteneinnahme und Hinweise auf klinisch relevanten Medikamentengebrauch nach Geschlecht und Alter im Jahr 2015. München: IFT Institut für Therapieforschung

Soyka, Michael (et al.) (2005): Wo verstecken sich 1,9 Millionen Medikamentenabhängige? In: Der Nervenarzt, 76(1), 72-77

Watzl, Hans (et al.) (1991): Entwicklung eines Fragebogens zur Erfassung von Medikamentenmißbrauch bei Suchtpatienten. In: Heide, Martin; Hans Lieb (Hrsg.): Sucht und Psychosomatik. Beiträge des 3. Heidelberger Kongresses. Bonn: Nagel. 123-139

Weyerer, Siegfried (2011): Wirksame Behandlungsmethoden bei gerontopsychiatrischen Erkrankungen: Sucht. Vortrag. 10. Fachtag Gerontopsychiatrie. Nürnberg, 24. November 2011